9.4 – Waldheimat zwischen Berg und Tal – aktuell bedroht von Zerstörung durch 380 kV Höchstspannungsleitung

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Wenn Schönheit, Verbundenheit und die Würde des Lebendigen auf dem Spiel stehen

Hier sehen Sie die Landschaft und jene Wälder des Oberen Drautals, die im Bereich des Tiroler Tores – Oberdrauburg – Stein durch den geplanten Trassenkorridor der 380-kV-Höchstspannungsleitung betroffen sind.

Es ist eine Landschaft von besonderer Schönheit. Eine Landschaft, in der Berge, Wälder, Wiesen und Flussauen zu einem großen, harmonischen Ganzen verbunden sind. Und es sind Wälder von besonderer ökologischer Bedeutung: Gerade im Oberen Drautal finden sich bedeutende Buchen- und Buchenmischwälder – wertvolle, naturnahe Lebensräume, die in unserer zunehmend ausgeräumten und technisch überprägten Landschaft immer kostbarer werden.

Darf es wirklich geschehen, dass solche Wälder unwiederbringlich zerstört werden?

Ein Wald ist nicht bloß eine Ansammlung von Bäumen. Er ist Lebensraum, Lebensgemeinschaft und gewachsene Zeit. Jeder einzelne Baum ist einzigartig.
Jedes Lebewesen besitzt seinen eigenen Wert.
Und doch ist keines von ihnen wirklich für sich allein.

Wer einen alten Wald zerstört, beseitigt daher nicht einfach „Fläche“.

Er zerstört Lebensgemeinschaften. Er unterbricht gewachsene Beziehungen.
Er nimmt Lebensraum. Er verändert eine Landschaft, die nicht von uns geschaffen wurde und die wir nicht zurückgeben können, wenn sie einmal unwiederbringlich verloren ist.

Was wir bewahren, bewahren wir nicht nur für uns

Aus der Erkenntnis der Verbundenheit erwächst Verantwortung. Aus dem Eigenwert des Lebendigen erwächst Achtung. Aus Mitgefühl erwächst die Verpflichtung zum Handeln.

Denn Mitgefühl, das angesichts vermeidbarer Zerstörung schweigt, bleibt unvollständig.

Wir können nicht einerseits von Nachhaltigkeit, Biodiversität und dem Schutz unserer Lebensgrundlagen sprechen, und andererseits hinnehmen, dass wertvolle naturnahe Wälder dort verschwinden, wo technische Großprojekte ihre Schneisen durch gewachsene Landschaften schlagen, und diese verwüsten.

Eine Frage an unsere Zeit

Darf es weiterhin so sein, dass einige wenige Menschen in Politik, Verwaltung, Konzernen und europäischen Institutionen über die Veränderung und Zerstörung wertvollster Lebensräume entscheiden, während diejenigen, die diese Landschaften lieben und in ihnen leben, letztlich nur zuschauen dürfen ?

Darf wirtschaftliche und technische Machbarkeit stets das stärkere Argument sein als die Schönheit des Lebendigen?

Darf eine Landschaft nur dann als schützenswert gelten, wenn ihr Schutz den menschlichen Interessen nicht im Wege steht? Oder werden wir endlich anerkennen, dass es Grenzen dessen gibt, das wir einer lebendigen Welt zumuten dürfen?

Diese Fragen richten sich nicht gegen Fortschritt. Sie richten sich gegen einen Fortschrittsbegriff, der das Lebendige nur dort berücksichtigt, wo es seinen Plänen nicht im Weg steht. Wir brauchen eine andere Form des Fortschritts: eine, die ihre Verantwortung gegenüber dem Leben nicht als Hindernis, sondern als Maßstab begreift.

Die Schönheit eines grossen, zusammenhöngenden Buchenmischwaldes und einer gewachsenen, harmonischen Kulturlandschaft wie das Obere Drautal ist Ausdruck seiner Lebendigkeit. Ist für viele Menschen Heimat. Sie finden in diesem Raum ihre Identität.

Wollen wir wirklich diejenigen sein, die diese Schönheit gesehen – und dennoch zugelassen haben, dass sie verschwindet ?

Vom Erkennen zum Handeln

Die Erkenntnis unserer Verbundenheit darf nicht bei Bewunderung, Örger oder Verzweiflung enden. Sie verlangt nach Verantwortung. Und Verantwortung verlangt nach Handeln.

Wer diese Wälder als wertvollen Teil des lebendigen Ganzen erkennt, darf nicht gleichgültig bleiben.

Er darf seine Stimme erheben, Fragen stellen, Entscheidungen kritisch begleiten, sich einbringen und für den Schutz dieser Lebensräume eintreten. Nicht aus Feindschaft gegenüber Technik. Sondern aus Achtung vor dem Leben. Nicht aus romantischer Verklärung der Natur. Sondern aus dem Wissen um ihren ökologischen und ethischen Wert.

Wir haben dort, wo Zerstörung vermeidbar ist, die Pflicht, nach besseren Wegen zu suchen.

Für die Schönheit der Natur.
Für die Würde des Lebendigen.
Für die Bewahrung der Wälder.

Deshalb sollen diese Fotografien nicht nur betrachtet werden.

Sie sollen erinnern.
Sie sollen berühren.
Sie sollen aufrütteln.
Und sie sollen zum Handeln bewegen.

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